Im Land der Zedern und Ausgrabungen
Zivilgesellschaft in einem Staat auf konfessionellem Proporz
Im Libanon erleben Sie den Nahen Osten auf engstem Raum: er ist seit Jahrtausenden eine Drehscheibe für Völker, Religionen und Kulturen. Ihren Spuren begegnen Sie auf der Reise in phönizischen Ausgrabungen, römischen Tempeln, frühchristlichen Kirchen und Kreuzritterburgen. Doch der Libanon bietet auch Einzigartiges: landschaftlich das 3000 Meter hohe Libanongebirge mit seinen berühmten Zedern, politisch einen Staat und eine Gesellschaft, die auf konfessionellem Proporz gebaut sind. Bei der Reise erhalten Sie auch einen Einblick in dessen Folgen und Probleme – und Sie treffen zivilgesellschaftliche Kräfte, die sich dagegen stemmen.
Im Libanon erleben Sie den Nahen Osten auf engstem Raum: er hat eine siebentausendjährige Zivilisationsgeschichte, von den Phöniziern über die Römer bis zu den Osmanen und in den letzten Jahrhunderten auch italienische und französische Einflüsse. Der Libanon war immer - wie auch andere Länder in der Region - eine Drehscheibe für Völker, Religionen und Kulturen.
Ihre Spuren werden Sie bei der Reise in Ausgrabungen, römischen Tempeln, frühchristlichen Kirchen und Kreuzritterburgen wiederfinden. Und Beirut ist sicher die am stärksten westlich geprägte Hauptstadt der arabischen Welt mit einer breiten ethnischen und konfessionellen Vielfalt seiner Bewohner, auch für arabische Besucher ein attraktives Ziel.
Der Libanon bietet aber auch Einzigartiges: landschaftlich das 3000 Meter hohe Libanongebirge mit seinen berühmten Zedern in Sichtweite zum Mittelmeer, politisch einen Staat und eine Gesellschaft, die beide aufgrund ihrer sehr spezifischen Geschichte auf konfessionellem Proporz aufgebaut sind. Der muss immer wieder neu verhandelt werden. Bei der Reise werden Sie mehrfach die Folgen und Problemen der konfessionellen Fragmentierung von Politik und Gesellschaft kennen lernen – und die zivilgesellschaftliche Kräfte, die sich dagegen stemmen, genauso wie gegen patriarchalische Sitten und Strukturen.
Die Region wird seit Jahrhunderten von Menschen verschiedener Religionen bewohnt: Christen, Juden, Drusen, sunnitische und schiitische Muslime. Dabei haben die Menschen vielfältige Formen eines geregelten Nebeneinanderlebens entwickelt. So ist ein Geflecht verschiedener religiös-sozialer Gruppierungen und Konfessionen entstanden. In der Geschichte war und ist dies immer wieder spannungsreich und kann von Fundamentalisten aller Couleur bedroht werden, lässt aber auch Freiräume. Und da konfessionelle Zugehörigkeit wichtig ist für den Zugang zu Macht und Reichtum, liegt in dieser konfessionellen Verfasstheit eine Quelle ständiger gesellschaftlicher Dynamik.
18 anerkannte Konfessionen (darunter verschiedene christliche, vor allem die Maroniten, aber mehrheitlich Sunniten und Schiiten sowie Drusen) haben nicht nur ihren festen Proporz bei der Besetzung des Parlaments und der wichtigen Regierungsposten, sondern bilden auch die Keimzellen des Lebensalltags für die rund 4 Millionen Menschen.
Zur Hälfte leben sie in Beirut. Die Zahl schwankt schon deswegen, weil über 15 Millionen Libanesen – teilweise seit dem 19. Jahrhundert – im Ausland leben, in den USA und Frankreich, auch in Westafrika und vor allem in Lateinamerika (in Brasilien gibt es heute mehr „Libanesen“ als im Libanon). Sie unterhalten durch Familienbande und Geschäftsbeziehungen häufig engen Kontakt zum Heimatland. Für viele Familien gibt es die Möglichkeit eines Art doppelten Wohnsitzes: in Kriegszeiten leben sie eher im Ausland, in prosperierenden Perioden eher im Libanon.
1. Tag (Samstag)
Am Nachmittag kommt Ihr Lufthansa-Flug in Beirut an. Nach der Ankunft in unserem Hotel im Hamra-Viertel bleibt Zeit für einen ersten Spaziergang durch dieses umtriebige Stadtviertel, das Zentrum des (muslimischen) West-Beirut. Beim Abendessen in einem populären Restaurant erläutert die Reiseleiterin das Programm der Reise.
Für Nachtschwärmer lohnt sich noch ein Besuch im Ausgehviertel Gemayzze rund um die Rue Gouraud. Taxi fahren ist kein Problem in Beirut. Bei der Fahrt durch die Stadt und beim Bummeln durch Gemayzze mit seinen Bars, Cafés und Clubs ist auch etwas über die Beiruter Bodenspekulation zu erfahren: in Gemayzze ist sie in vollem Gange, im Hamra-Viertel hat sie schon längst gesiegt.
2. Tag (Sonntag)
Gleich nach dem Frühstück Fahrt in den südlichen Vorort „Dahiye“, der von Schiiten bewohnt und von der Hisbollah kontrolliert wird. Dort besuchen wir das Projekt UMAM, das die größte Dokumentation über den libanesischen Bürgerkrieg aufgebaut hat und eine Auseinandersetzung mit dieser Geschichte durch verschiedene Aktivitäten anregt (Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen u.a.). Ein brisantes Thema in einem Land, in dem die Milizführer aus Bürgerkriegszeiten auch heute führende Politiker sind – und jeder eine andere Version der Geschichte vertritt.
Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Rundgang durch dieses schiitische Stadtviertel und brechen dann zu einer Besichtigungstour von Beirut auf: zur Uferpromenade „Corniche“, zum wieder aufgebauten „Platz der Märtyrer“im Zentrum der Stadt, ins christliche Viertel Aschrafiye im Osten. Hier besuchen wir das Beratungszentrum der sehr aktiven Frauenorganisation „KAFA – gegen Gewalt und Ausbeutung“, eine Partnerorganisation von medico international, dem Kooperationspartner dieser Reise. Die Tour endet im ‚Beirut Art Center‘ am nordöstlichen Stadtrand neben dem alten armenischen Viertel. Dort werden wir den Abend in einem Restaurant beschließen.
3. Tag (Montag)
Aufbruch zur dreitägigen Libanon-Rundfahrt. Am ersten Tag fahren wir bis Bscharré, einem Zentrum der Maroniten hoch oben im Libanon-Gebirge. Die Busfahrt geht an der Küste entlang bis Tripoli. Zuvor gibt es einen Zwischenstopp in Biblos – für die Reisegruppe die erste Begegnung mit der über 7000 jährigen Zivilisationsgeschichte der Region. Biblos, heute eher ein Fischerdorf, war einst eine wichtige phönizische Hafenstadt und gilt als einer der ältesten besiedelten Siedlungen der Welt sowie vor allem als Fundort der ältesten Alfabetschrift auf einem Steinsarkophag.
Die Fahrt geht weiter auf der Küstenstraße nach Norden. Gegen Mittag erreichen wir Triopoli, den Hauptort im Nord-Libanon. Hier leben vor allem Sunniten. Tripoli besitzt im Gegensatz zum kriegszerstörten Beirut noch eine Altstadt mit Souks. Sie sind die größten des Landes und lohnen einen Spaziergang. Die Zitadelle erinnert an die Zeit der Kreuzfahrer.
Hinter Tripoli schlängelt sich die Straße ins Gebirge hinein. Über Ehden, einen Luftkurort, der nur im Sommer bewohnt wird, gelangen wir ins 1400 m hoch gelegene Bscharré am Abhang des Libanon-Gebirges.
4. Tag (Dienstag)
Bei einem Spaziergang durch den Ortskern von Bscharré gelangen wir auch zum Museum des Malers und Schriftstellers Gibran Khalil Gibran. Der 1948 Verstorbene ist in Deutschland der meist gelesene arabische Autor (er schrieb allerdings meist auf Englisch), sein bekanntestes Buch ist „Der Prophet“.
Am späten Vormittag brechen wir zu einer Wanderung durch das enge Kadischa-Tal auf. Das wild romantische Tal war im 7. Jahrhundert Rückzugsort christlicher Häretiker um den Mönch Maron. Daher gilt es als die Wiege der Maroniten, heute im Libanon die dominante christliche Konfession.
Danach fahren wir weiter ins Gebirge an einem der letzten Zedernhaine vorbei auf den „Col des cèdres“- Pass in 2650 Meter Höhe. Eine grandiose Aussicht zum Mittelmeer auf der einen und in die Bekaa-Ebene auf der anderen Seite lädt zum Verweilen ein. Wir sind nicht mehr weit von unserem Tagesziel entfernt, dem Dorf Deir Al-Ahmar am Abhang zur Bekaa-Ebene.
Dort angekommen treffen wir im neu erbauten „Entwicklungszentrum“ die Frauen der landwirtschaftlichen Kooperative WADA, die nach dem Bürgerkrieg und dem Verbot des Haschisch-Anbaus in diesem christlichen Dorf eine neue Lebensgrundlage aufbauten mussten. Da zur Projektentwicklung auch Bed&Breakfast-Angebote in Gästezimmern gehören, können wir diese Nacht bei Familien im Ort übernachten.
5. Tag (Mittwoch)
Am Vormittag zeigen uns die WADA-Frauen bei einer kurzen Wanderung durch die Hügel der Umgebung die Spuren der römischen Besiedlung und erzählen unsvon ihren Bemühungen, die Landwirtschaft zu entwickeln und ihre Produkte zu vermarkten. Gegen Mittag verlassen wir Deir Al-Ahmar und besuchen die gut erhaltene römische Tempelanlage in Baalbek, dem Hauptort der Bekaa-Ebene.
Die Busfahrt geht am Nachmittag weiter durch das Bekaa-Tal über Zahle nach Beirut und von dort an der Küste entlang bis kurz vor Sidon in unser neues Hotel, die Begegnungsstätte Daressalam im Ort Wardaniyeh. Auf diesem Weg machen wir noch vor Beirut einen längeren Halt in Aley, einer von Drusen bewohnten Stadt am Rande des Schuf-Gebirges. Hier treffen wir die Schriftstellerin Iman Humaydan Younis, die uns zu einer Fraueninitiative gegen häusliche Gewalt begleitet.
Am Abend können wir uns in unserem neuen Hotel, der "Begegnungsstätte Daressalam", auf einer Veranda mit Meeresblick ausruhen und mehr über dieses Projekt und seine Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in Beirut und Umgebung erfahren.
6. Tag (Donnerstag)
Der Vormittag (bei Interesse auch der ganze Tag) steht für individuelle Aktivitäten zur Verfügung: Baden im Mittelmeer oder Spaziergänge durch Beirut oder Lesen auf der Veranda oder….
Bei Interesse fährt mittags ein Teil der Reisegruppe mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Beirut und besucht Al-Jana, ein kreatives Projekt mit palästinensischen Jugendlichen aus den Flüchtlingslagern, deren Berufs- und Bewegungsfreiheit im Libanon eingeschränkt ist. Das Projekt wird seit Jahren mit viel Erfolg von der NGO „Arab ressoure collective for the popular art“ (ARCPA) organisiert, einem weiteren Partner von medico international. Nach einer Diskussion im ARCPA-Büro begleitet uns der Leiter des Projekts, der Künstler Mo’ataz al-Dajani, auf einem Rundgang durch Sabra und Chatila, das palästinensische Stadtviertel(„Flüchtlingslager“), das im Jahr 1982 durch ein Massaker traurige Berühmtheit erlangte.
Wir beschließen den Nachmittag im Trend-Viertel Gemayzze direkt neben dem wieder aufgebauten Zentrum. Hier gibt es noch Häuser aus der Kolonialzeit, die allerdings gerade von Spekulanten ins Visier genommen werden. In der Hauptstraße reiht sich seit ein paar Jahren ein Restaurant ans andere. Mitten darin befindet sich in einem Altbau mit Jugendstil-Elementen das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung. Deren Leiterin, Layla Al-Zubaidi, wird uns einige Eigentümlichkeiten der libanesischen Gesellschaft erläutern: vor allem die problematische Abschottung der verschiedenen religiös-sozialen Gemeinschaften. Sie übernehmen vielfach staatliche Funktionen, aber in der Regel nur für die jeweils eigene Gemeinschaft.
Unsere Gastgeberin kennt auch die Arbeit vieler libanesischer NGO’s sowie deren rechtlichen und politischen Arbeitsbedingungen. Es gibt also genügend Stoff für Gespräche, auch später während des Abendessens in einem benachbarten Restaurant – ehe wir wieder nach Wardaniye zurück fahren.
7. Tag (Freitag)
Auf dem Programm steht ein Ausflug ins Schuf-Gebirge, in die Region der Drusen; bis ins 19. Jahrhundert waren sie die eigentlichen Herren der Region, von Beit-ed-Dine und Deir El-Qamar aus. Sie haben beeindruckende Paläste hinterlassen, die auch schon Napoléon gefallen haben. Unsere Tour geht bis zu einem südlichen Ausläufer des Libanon-Gebirges, zum knapp 2.000 Meter hohen Djebel el-Barouk. An dessen Abhang wandern wir etwa eine Stunde durch einen Zedernwald, der von einer Umwelt-Initiative gepflegt und für Besucher unterhalten wird – mit herrlichen Blick auf den südlichen Teil der Bekaa-Ebene.
Zurück in unserem Hotel könnte noch Zeit für einen Sprung ins Mittelmeer sein: das Meer liegt in Sichtweite, etwa 5 km entfernt, und genau an der Kreuzung mit der Küstenstraße gibt es eine gute Badeanlage.
Bei Einbruch der Dunkelheit essen wir wieder auf der Veranda der Begegnungsstätte zu Abend. Als Gäste sind Mitarbeiter einer Projektgruppe aus der Umgebung eingeladen, die bei ihren Aktivitäten die besondere Situation des Südlibanon berücksichtigen müssen.
8. Tag (Samstag)
Am letzten Tag ist eine Fahrt in den von der Hisbollah beherrschten Südlibanon vorgesehen. In einem neuen Museum der Hisbollah erfahren wir deren Selbstverständnis und Selbstdarstellung: siegreich im Kampf gegen die israelische Besatzung im Südlibanon. Weniger martialisch geht es später in der Hafenstadt Sidon beim Treffen mit einer Frauengruppe zu.
Da inzwischen alle Mitreisenden schon gelernt haben, locker auch alleine mit dem Sammeltaxi zwischen Beirut und der Begegnungsstätte in Wardaniye hin und her zu fahren, kann der Tag auch genutzt werden, individuell noch einmal nach Beirut fahren. Optional kann im Zico-Haus, dem Sitz mehrerer Projektgruppen und Vereine im Hamra-Viertel, ein Besuch mit der Umwelt-Gruppe „greenline“ arrangiert werden.
Am späten Nachmittag treffen wir uns beim Abendessen noch einmal auf der Veranda der Begegnungsstätte Daressalam und können die Erfahrungen und Erlebnisse der Reise untereinander austauschen.
9. Tag (Sonntag)
Der letzte Vormittag steht der individuellen Gestaltung zur Verfügung:sei es für einen letzten Besuch in Beirut, sei es zum Baden am Strand.
Gegen 14 Uhr ist Abfahrt zum Flughaben. Die Lufthansa bringt uns gegen 20 Uhr nach Frankfurt/M, bis 23.00 Uhr auch in andere Heimatstädte.
Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.
© via cultus, Änderungen vorbehalten
Leistungen:
- Reiseleitung durch Larissa Bender, Publizistin (auch taz – Autorin), Deutsch-Arabische Übersetzerin
- Kleine Gruppe: mindestens 10, maximal 15 Personen
- Begegnungen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und Projekten gemäß Programm
- Übersetzungen bei allen Treffen mit Gruppen und Personen
- Flug mit der Lufthansa ab/bis Frankfurt/M.
- 7 Übernachtungen mit Frühstück in einem Hotel der guten Mittelklasse sowie 1 Übernachtung bei Gastfamilien in Deir Al-Ahmar.
- 8 Abendessen (Halbpension) im Hotel bzw. in den ersten 2 Tagen (Beirut) in Restaurants
- 3 tägige Rundfahrt (3. – 5. Tag) sowie Tagesausflug (6.Tag) ins Schufgebirge im klimatisierten Kleinbus; Eintritte gemäß Reisebeschreibung
- Informationsmaterial zur Vorbereitung
- Reisesicherungsschein des Veranstalters
Nicht im Reisepreis enthalten / Optional:
- Wir empfehlen eine Auslandskrankenversicherung mit Krankenrücktransport (z.B. ADAC ab 12,80 Euro); der Veranstalter berät Sie gern.
- Einzelzimmerzuschlag: 120 Euro
- Rail & Fly-Ticket ab jedem deutschen Bahnhof bis/ab Frankfurt/M.: 50 Euro
- Anschlussflüge von verschiedenen dt. Flughäfen nach Frankfurt möglich - bitte erkundigen Sie sich beim Reiseveranstalter
- Reiserücktrittsversicherung (Preis/Leistungen auf Anfrage)
- Nicht explizit angegebene Mahlzeiten / Getränke / Trinkgelder
Reisepreis:
1.670 Euro (DZ / HP / Flug)
Einzelzimmerzuschlag: 120 Euro
Preise gelten vorbehaltlich Verfügbarkeit!
Reisezeit:
20. – 28. Oktober 2012




