Istanbul: Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft
Mit taz-Korrespondent Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptcioglu in Kooperation mit Orhan Esen
Bei dieser Reise lernen Sie eine der schönsten Städte am Mittelmeer kennen: Istanbul, die über 3000 Jahre alte Metropole am Bosporus. Sie erkunden diese Stadt entlang der urbanen Spuren ihrer Entwicklungsdynamik. Jeden Tag lernen Sie ein anderes Stadtviertel kennen, mal zu Fuß, mal im Kleinbus, mal mit der Fähre.
Es gibt viele Gründe, Istanbul zu besuchen: die traumhafte Lage am Bosporus, die Schätze osmanischer Architektur und Kultur, die lebendige Geschäftigkeit an der Schnittstelle zwischen Europa und Nahost oder weil es die dynamischste Stadt der modernen Türkei ist. Die multikulturelle Weltstadt auf zwei Kontinenten ist nach dem explosiven Wachstum der letzten Jahrzehnte in die globale Spitzengruppe der Megacities aufgerückt. Das Besondere dieser Reise liegt darin, dass Sie die innere Entwicklungsdynamik dieser Megacity kennen lernen. Sie erkunden die verschiedenen Stadträume vom Zentrum bis an die Peripherie mit dem Stadtforscher Orhan Esen bzw. mit Jürgen Gottschlich und seiner Lebensgefährtin Dilek Zaptcioglu. Dabei werden Sie vielfältige Beziehungen zwischen 'Gesellschaft', 'Politik und 'gebauter Umwelt' entdecken. Diesem hoch-dynamischen Mix gilt das Interesse der Reise: eine Annäherung an Istanbuls permanente Entwicklung und die Rolle, die dabei zivilgesellschaftliche Projekte spielen. Thema ist auch der öffentliche Diskurs über Stadtentwicklung und Urbanität, der unter dem Stichwort „urbane Transformation“ 2010 zentraler Aspekt der Präsentation als „Kulturhauptstadt Europas“ war. Zur politischen Moderne der Türkei gehört, dass sich in den letzten Jahren zunehmend Bürgerinitiativen in die Entwicklung der Stadt eingeschaltet haben. In Istanbul gibt es mehrere Brennpunkte der "Gentrifizierung", in denen Bürgerinitiativen Einfluss auf die Neugestaltung der Metropole nehmen wollen bzw. Bewohner heute noch armer Viertel sich gegen eine Sanierung wehren, die letztlich ihre Vertreibung zum Ziel hat. Während der Reise werden Sie verschiedene Stadtteil-Initiativen und Projekte, die aktiv an der Neugestaltung Istanbuls beteiligt sind, kennen lernen.
Zum Weiterlesen
In der Reiseausschreibung im Internet (www.taz.de/tazreisen) finden Sie auf der Startseite für diese
Reise auch „Literatur zum Einlesen“, u.a. Artikel und Publikationen der ReiseleiterIn.
1. Tag (im Mai: Samstag/im Oktober: Donnerstag)
Mit der Lufthansa fliegen die TeilnehmerInnen nach Istanbul. Die taz-Autorin Dilek Zaptcioglu und taz-
Korrespondent Jürgen Gottschlich werden die Reisegruppe empfangen und das Programm der
kommenden Tage besprechen. Bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant in der
Umgebung unseres Hotels nahe Taksim-Platz lernen sich TeilnehmerInnen und Reiseleiter kennen.
Stadtteil Beşiktaş am Bosporus / Blick auf die asiatische Seite
2. Tag (Sonntag/Freitag)
An diesem Tag begleitet der taz-Korrespondent Jürgen Gottschlich die Gruppe zur ersten Erkundung der näheren Umgebung in Beyoglu, eine Einführung in die Geschichte und Besonderheiten Istanbuls.
Danach besuchen Sie eine Bürgerinitiative in Cihangir und fahren mit der Fähre auf die asiatische Seite Istanbuls nach Kuzguncuk. Dieses ruhige Viertel am Bosporus werden Sie mit Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptcioglu erkunden, die beide hier wohnen. Dabei besteht auch Gelegenheit, einige Ateliers von Künstlern aus Kuzguncuk zu besichtigen.
3. Tag (Montag/Samstag)
Der Stadthistoriker Orhan Esen wird die Entwicklungsdynamik Istanbuls am Beispiel von ausgesuchten Stadtvierteln erläutern. Der Einstiegstag ist den Vierteln nördlich vom Goldenen Horn gewidmet. Hier lagen ab der Mitte des 19. Jh. die Neubaugebiete Istanbuls: Pera, Taksim-Platz, das Maçkatal und Nisantasi. Beim Durchstreifen dieser Stadträume folgen wir den Spuren der sozialen und politischen Modernisierungsgeschichte im späten Osmanischen Reich und während der
republikanischen Periode.
4. Tag (Dienstag/Sonntag)
Besuch des Stadtteils Sultanahmet mit Orhan Esen; dieses historische Zentrum mit römischem
Hippodrom und Hagia Sophia liegt auf der Halbinsel zwischen Marmara-Meer und Goldenem Horn.
Bei diesen Spaziergängen wird die stadträumliche Kontinuität im historischen Geschäftsviertel
deutlich. Besichtigung des heute ziemlich verfallene Yeni Valide Han, in dem bis vor ca. 2 Jahrzehnten an Hunderten von Webstühlen gearbeitet wurde.
5. Tag (Mittwoch/Montag)
Orhan Esen setzt seine Stadtführung rund um das historische Zentrum fort: hier entwickelten sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sogenannte „Gecekondu" - Viertel („Über-Nachtgebaute“) der meist anatolischen Zuwanderer. An ihrer Entwicklung lassen sich die Eckdaten der Industriegeschichte
Istanbuls ablesen. Und es wird ersichtlich, wie die Metropole mit ihren Armen und Migranten umgeht – beim Besuch einer Frauenkooperative in einem Armenviertel am Rande von Levent. Auf der Rückfahrt halten wir im innenstädtischen 'Slum'viertel Tarlabasi. Die Bewohner wehren sich gegen Gentrifizierung und Vertreibung, die im Namen einer Europäisierung vorangetrieben wird. Zum Abendessen Treffen mit taz-Korrespondent Jürgen Gottschlich und anderen deutschen Journalisten-Kollegen, so dass Gelegenheit besteht, ausführlich über die aktuelle politische Situation des Landes zu diskutieren und die bisherigen Eindrücke einzuordnen.
6. Tag (Donnerstag/Dienstag)
Dieser Tag mit Orhan Esen ist den neuesten Entwicklungen der boomenden Metropole Istanbul
gewidmet: sie sind am nördlichen und östlichen Rande der Stadt hinter dem äußeren, zweiten
Autobahnring gut zu beobachten. Die Tour beginnt auf der europäischen Seite in Levent, mit seinen
Banken-Hochhäusern, derzeit das Wirtschaftszentrum Istanbuls. Weiter geht es nach Göktürk, einer
wahren Boomtown im Walde, deren Ortsbild durch die 'Gated Communities' der 1990er-2000er Jahre
geprägt ist. Auf der asiatischen Seite fahren wir durch ein Stadtviertel, das sich in den letzten 20 Jahren aus ein paar Bauernhöfen entwickelt hat, nach Çekmeköy, einer Mischung aus wilden Siedlungen und Investoren-Traditionelle Holzhäuserparadies. In Dudullu sehen wir, wie ein verschlafenes Dorf mitten im Wasserschutzgebiet zu einem Industriemoloch mit 350 000 Arbeitsplätzen verplant werden kann. Über Atasehir, die erste Mega-Satellitenstadt, einst um
ein Autobahnkreuz gebaut und seit kurzem ein eigenständiger Stadtbezirk, fahren wir zur Bagdad-
Straße: der historischen Prachtstraße auf der asiatischen Seite, viele Kilometer am Marmara-Meer entlang. Hier endet die Tour. Der Abend steht zur freien Verfügung, und kann z. B. in einem der Fischlokale bei einer Raki-Meze-Tafel im Hafen von Kadiköy ausklingen. Die Fähren zurück über den Bosporus fahren bis kurz vor Mitternacht.
7. Tag (Freitag/Mittwoch)
Heute übernimmt wieder taz-Korrespondent Jürgen Gottschlich. Auf dem Programm steht ein längerer
Stadtspaziergang durch die historischen griechischen und jüdischen Viertel am Goldenen Horn. Dabei lernen Sie das griechisch-orthodoxe Patriarchat kennen und besichtigen die Chora-Kirche mit der größten Sammlung byzantinischer Mosaiken. Anschließend findet ein Treffen statt mit Vertretern einer Bürgerinitiative, die sich dagegen wehrt, dass die Uferfront dieser ältesten Stadtteile Istanbuls durch ein Luxusprojekt verbaut wird und das Stadtviertel damit praktisch aufgeteilt würde.
8. Tag (Samstag/Donnerstag)
Am letzten Tag fahren Sie zum Ausklang mit einem Schiff auf dem Bosporus bis zum Schwarzen Meer, vorbei an Burgen, Dörfern, ‘Yali’ genannten Villen am Ufer sowie imperialen Palästen – eine wahre Augenweide. Gelegenheit zur Mittagpause ist im Dorf Anadolukavagi, von dessen Burgruine aus ein herrlicher Blick auf die neue Skyline Istanbuls bis hin zur Bosporusmündung im Schwarzen Meer besteht. Neben der Besichtigung der Schokoladenseite Istanbuls wird die Bosporusfahrt auch Gelegenheit bieten, einige der größten Verkehrsprojekte der Stadt kennen zu lernen. Wir werden den zukünftigen SBahn-Tunnel unter dem Bosporus überqueren und von der Endhaltestelle des Schiffes aus einen Blick auf das Gelände der dritten geplanten Brücke über den Bosporus werfen. Den Abend wird die Reisegruppe mit einem gemeinsamen Essen in einem Fischlokal am Bosporus beschließen.
9. Tag (Sonntag/Freitag)
Nach dem Frühstück hat die Gruppe noch einmal Gelegenheit, bei einem Treffen mit Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptcioglu die Erfahrungen der Reise zu besprechen. Danach heißt es, von Istanbul Abschied zu nehmen. Die TeilnehmerInnen fliegen nach Frankfurt zurück (oder setzen individuell ihre Reise in der Türkei fort).
Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Eine ausführliche Beschreibung der vier Tagestouren mit Orhan Esen (am 3., 4., 5. und 6. Tag) finden Sie bei der Reiseausschreibung im Internet (über: www.taz.de/tazreisen) auf der Programm-Seite
Reiseleiter
ist Jürgen Gottschlich, seit 1998 taz-Korrespondent in Istanbul und Autor („Türkei. Ein Land jenseits der Klischees", Berlin 2008) gemeinsam mit
Dilek Zaptcioglu, taz-Autorin und Schriftstellerin (beide haben 2005 in der edition Körber-Stiftung „Das Kreuz mit den Werten. Überdeutsche und türkische Leitkulturen“ veröffentlicht) in Kooperation mit
Orhan Esen, Historiker, Stadtforscher und Autor (“Istanbul: Self Service City”, Berlin 2005).
© via cultus, Änderungen vorbehalten
Leistungen:
- Reiseleitung durch taz - Korrespondent Jürgen Gottschlich mit taz - Autorin Dilek Zaptcioglu
- 4 Tagestouren mit Stadtforscher Orhan Esen
Kleine Gruppe: mindestens 10, maximal 16 Personen - Begegnungen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und Projekten
- Übersetzungen bei allen Treffen mit Gruppen und Personen
- Flug mit der Lufthansa ab/bis Frankfurt/M.
- 8 Übernachtungen mit Frühstück in einem Hotel der guten Mittelklasse, an 3 Tagen Halbpension
(Abendessen gemäß Programm in Restaurants) - Stadttouren in Istanbul und Peripherie im klimatisierten Kleinbus, Eintritte, Stadtbesichtigungen
- sowie Metro/Tram/Bosporusfähren in Istanbul gemäß Reisebeschreibung
- Informationsmaterial zur Vorbereitung
- Reisesicherungsschein des Veranstalters
Zusätzliche Kosten (fakultativ):
- Einzelzimmerzuschlag: 115 Euro
- Anschlussflüge von verschiedenen dt. Flughäfen nach Frankfurt möglich - bitte erkundigen Sie sich beim Reiseveranstalter.
- Rail & Fly-Ticket ab jedem deutschen Bahnhof bis/ab Frankfurt/M.: 50 Euro
- Reiserücktrittsversicherung und Auslandskrankenversicherung (Preis/Leistungen auf Anfrage)
Nicht im Reisepreis enthalten / Optional:
- Nicht explizit angegebene Mahlzeiten
- Getränke
- Trinkgelder
Reisepreis:
1.440 Euro (DZ /3 x HP, 5 x ÜF/ inkl. Flug)
Einzelzimmerzuschlag: 115 Euro
Preise gelten vorbehaltlich Verfügbarkeit!
Reisezeit:
5. – 13. Mai und vom 4. – 12. Oktober 2012




