Türkei – zwischen Euphrat und Tigris
1. Tag:
Linienflug von Frankfurt nach Istanbul und Weiterflug am Abend nach Diyarbakir. Transfer zum Hotel, Begrüßungs- und Informationscocktail durch den Reiseführer. Abendessen und Übernachtung in Diyarbakir.
2. Tag:
Diyarbakir am Tigris ist eine der malerischsten Städte der Türkei, schon im 1 Jahrtausend war dieser Ort eine Schnittstelle von Karawanenwegen der weit verzweigten Seidenstraße. Am Vormittag erkunden wir zu Fuß die Altstadt, die römisch-seldschukische Tigrisbrücke aus dem Jahr 1065, die ebenso alte, 5,5,km lange Stadtmauer aus Schwarzem Basalt und wir besuchen die Moschee Ulu Cami aus dem Jahr 628, den Hasan Pasha Hani, die Kirche der Jungfrau Maria und den Bazar. Bei einem Tee oder Kaffee führt der Reiseleiter aber auch in die aktuelle Debatte über die Zukunft dieser Region ein. Nach einer Mittagspause treffen wir im Rathaus einen Vertreter des Stadtratsder Provinzhauptstadt Diyarbakir, die als Hauptstadt der Kurden angesehen wird. Der Bürgermeister Osman Baydemir gehörte im Dezember 2009 zu den 91 kurdischen Bürgermeistern, die von der gerade verbotenen Partei DTP (Partei der demokratischen Gesellschaft) zu der neu gegründeten BDP (Partei des Friedens und der Demokratie) wechselte. Mit einem Vertreter der BDP, der Regierungspartei in Diyarbakir, treffen wir uns anschließend. Abendessen und Übernachtung in Diyarbakir.
3. Tag:
An diesem Tag lernen wir zwei Vereine kennen: einen kurdischen Rechtsanwaltsverein sowie eine Gruppe, die sich um Frauen und Mädchen kümmert, die von ihren Familien bedroht werden (Ehrenmord etc.). Wenn noch Zeit ist, können wir nachmittags einen Ausflug zu den Tigrisgrotten nach Lice ins Quellgebiet des Tigris unternehmen. Beim Abendessen treffen wir uns mit einem Journalisten aus Diyarbakir.
4. Tag:
Nach dem Frühstück fahren wir Richtung Westen nach Kahta. In Siverek lohnt sich eine Unterbrechung: diese Stadt wurde vor 3500 Jahren von Sumerern gegründet, später siedelten hier Assyrer, Griechen, Araber, Seldschuken und Osmanen. Die meisten erhaltenen Gebäude sind aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Die sehr schön erhaltene Altstadt gibt einen Eindruck, wie Seldschuken und Osmanen gelebt haben. Heute leben in Siverek verschiedene Minderheiten: Zazas, Kurden, Turkmenen, Araber. Bei unserer Stadtbesichtigung treffen wir den Stammesführer der Zazas. Nachmittags setzen wir die Fahrt fort, überqueren bei Ergen den dort noch angestauten Euphrat auf einer Autofähre und erreichen nach einer Stunde Kahta. Von der Burgruine ‚Yeni Kale‘ aus (‚neue Burg‘, 1286 n.Chr. von den Mamelucken erbaut), können wir die Stadt überblicken. An der Stelle der heutigen Burg stand wahrscheinlich die Festung des Königs Arsames. Abendessen und Übernachtung in Kahta.
5. Tag:
Es lohnt sich, früh aufzustehen: noch vor Sonnenaufgang werden wir mit unserem Kleinbus auf den 2150 m hohen Berg Nemrud fahren. Die Morgensonne wird unvergessliche Ausblicke und Eindrücke vom Grab des Kommagene-Königs Antiochus I bieten. Noch heute ist das Rätsel um dieses Grab mit seinen mannshohen Götterstatuen aus Stein nicht eindeutig geklärt. Wir schauen uns noch die Chabina Brücke an: diese 120 m lange römische Brücke wurde unter Septimius Severus (193- 211 n.Chr.) gebaut. An beiden Seiten wurde sie von 10 m hohen Säulen eingerahmt, von denen heute noch drei stehen. Nach der Rückfahrt zum Hotel in Kahta gibt es ein ausgiebiges Frühstück. Danach können wir uns von einem Vertreter der Stadtverwaltung deren Sicht auf Vor- und Nachteile des 1992 fertig gestellten Atatürk-Staudamms anhören. Dieser Staudamm am Euphrat – etwa 1,5 Mal so groß wie der Bodensee – ist der größte der 22 geplanten Staudämme des „Südostanatolien-Projektes“ der türkischen Regierung. Nachmittags fahren wir über Adiyaman weiter nach Urfa. Dabei überqueren wir den Euphrat wieder Richtung Osten, ganz in der Nähe der Staumauer des Atatürk-Stausees. Am späten Nachmittag kommen wir in Urfa (heute offiziell: Şanlıurfa, das „ruhmreiche Urfa“) an. Abendessen und Übernachtung in Urfa.
6. Tag:
Am Vormittag besuchen wir zuerst das örtliche Museum. Hier werden Exponate der Ausgrabungen vom Göbekli Tepe ausgestellt. Dort, rund 30 km südwestlich von Urfa, wird seit 1995 die älteste Tempelanlage der Welt ausgegraben: ein Ensemble aus Steinkreisen, die an Stonehenge erinnern, die jedoch nicht aus unbehauenen Menhiren, sondern aus ebenmäßigen und mit Reliefs verzierten T-Pfeilern bestehen - und mindestens 6000 Jahre älter sind. Die noch andauernden Ausgrabungen lassen die Frühgeschichte der Menschen in neuem Licht erscheinen (siehe den GEO-Artikel von Martin Meister). Nach einer Mittagspause werden wir – zurück in Urfa – durch die Altstadt schlendern: der Bazar von Urfa gilt als einer der schönsten und authentischsten der ganzen Türkei. Zum Abschluss besuchen wir den Mevlana-Orden, den Sufi-Orden, der wegen seiner „tanzenden Derwische“ berühmt ist. Bei Interesse können wir zudem eine Frauengruppe besuchen, die notleidende Frauen unterstützt und Rechtshilfe anbietet. Abendessen und Übernachtung in Urfa.
7. Tag:
Heute sehen wir die Folgen des „Südostanatolien-Projektes“ - bei einem Tagesausflug durch eine sehr schöne Landschaft. Zunächst geht es nach Birecik, einer bezaubernden Stadt am Euphrat mit ca. 50 000 Einwohnern. Wir treffen uns mit Mitgliedern der Naturschutz-Organisation „Doga Dernigi“,die sich gegen die Staudamm-Projekte zur Wehr setzt. Die Naturschützer begleiten uns nach Halfeti: dies war mal eine wunderbare Kleinstadt mit armenischen und griechischen Wurzeln, in einer Euphrat-Schlucht gelegen. Heute liegt die halbe Stadt im Wasser des Birecik Staudammes. In Halfeti wird uns der Muhtar (Bürgermeister) empfangen und die Folgen des Staudamms erläutern – dabei fahren mit einem Boot zur Festung Rumkale sowie in das Dorf, in das die Staudamm Opfer umgesiedelt wurden. Am späten Nachmittag fahren wir durch wunderschöne Berglandschaften am Euphrat nach Urfa zurück. Abendessen und Übernachtung in Urfa.
8. Tag:
Am Vormittag machen wir einen Ausflug in das Dorf Harran, das schon in der Bibel erwähnt wird. Zur Zeit Abrahams war hier eine blühende Region, nicht nur in der Vegetation. Erste Siedlungsspuren datiert man ins 3. Jahrtausend vor Christus. Zu sehen ist heute noch die byzantinische Stadtmauer mit dem Aleppo-Tor. Bekannt ist Harran aber auch wegen seiner bienenkorbartigen Lehmhäuser, „TruIli“ genannt. In einem solchen Rundhaus werden wir mit dem Muhtar von Harran über die Situation in der Region sprechen. Gegen Mittag brechen wir nach Mardin auf. Die Straße führt uns über Viransehir und Kiziltepe, zwei Städte, die von den jahrelangen Unruhen in der Region hart getroffen waren und sich jetzt neu entwickeln müssen. In Kiziltepe werden wir mit Vertretern der Gemeinde über die Probleme in der Region sprechen. Danach brauchen wir noch ca. eine halbe Stunde bis Mardin. Abendessen und Übernachtung in Mardin.
9. Tag:
Mardin gilt als eine der schönsten und interessantesten Orte im Südosten der Türkei: Am Vormittags schauen wir uns die multikulturelle Stadt mit kurdischer, arabischer, türkischer und syrisch-orthodoxer Bevölkerung an. Die Altstadthäuser aus großen Steinquadern sind berühmt und werden demnächst wohl UNESCO Weltkulturerbe. Bei unserem Rundgang werden wir auch eine Stadtteil-Initiative besuchen. Am Nachmittag können wir das Kloster Zafaran, etwa 3 Km außerhalb der Stadt besichtigen. Hier befindet sich der Sitz des Patriarchen der unierten syrischen Christenheit (Jakobiten). Die Mönche, die uns durch die weit verzweigte Klosteranlage aus dem 4.-7. Jh. führen, sprechen teilweise noch die Sprache Jesu. Abendessen und Übernachtung in Mardi.
10. Tag:
Nach dem Frühstück fahren wir weiter nach Midyat, dem Zentrum der nur noch kleinen Gemeinde der assyrisch-orthodoxen Christen in der Türkei. Mittelpunkt ist das Kloster Mor Gabriel am Tur Abdin („Berg der Knechte“). Diese Region war früher fast ausschließlich von assyrischen Christen bewohnt. Die meisten sind jedoch in den letzten Jahrzehnten ins Ausland geflohen. Nach dem Kloster können wir ein Dorf besichtigen, in das assyrische Christen, die früher nach Westeuropa gegangen waren, vor kurzem zurückgekehrt sind. Am Nachmittag besichtigen wir in Begleitung von Mitgliedern der assyrischen Gemeinde die Altstadt von Midyat. Abendessen und Übernachtung im Gästehaus der assyrischen Gemeinde in Midayat.
11. Tag:
Von Midyat aus geht es nach Hasankeyf, dem antiken Ort, einst Grenzposten des römischen Reiches, der bald in den Fluten des Illisu Staudammes versinken wird, wenn das Projekt nicht doch noch gestoppt werden kann. Der Illisu Staudamm ist das größte Projekt am Oberlauf des Tigris. Der Staudamm ist hoch umstritten, Deutschland, Österreich und die Schweiz sind wegen ökologischen und menschenrechtlichen Bedenken aus der Finanzierung des Projekts ausgestiegen. Trotzdem macht die türkische Regierung weiter. Ministerpräsident Erdogan hat Anfang November 2010 das erste neu gebaute Dorf für Staudamm-Umsiedlungsopfer bereits eingeweiht, die Umsiedlung hat begonnen. Wir besichtigen die antiken Stätten in Hasankeyf, treffen den Bürgermeister und andere Aktivisten gegen den Staudamm. Am Nachmittag dann über Batman Rückkehr nach Diyarbakir. Gemeinsames Abendessen zum Abschluss, letzte Übernachtung in Diyarbakir.
12. Tag:
Nach dem Frühstück Transfer zum Flughafen von Diyarbakir, Hilfe bei den Ausreiseformalitäten und Verabschiedung. Rückflug über Istanbul in die verschiedenen Heimatstädte in Deutschland, Österreich bzw. der Schweiz. Ankunft am Nachmittag.
© via cultus, Änderungen vorbehalten
Leistungen:
- Flug in der Economy Class Frankfurt - Istanbul - Diyarbakir (Turkish Airlines)
- und zurück
- Transfers in modernen klimatisierten Reisebussen (der Gruppengröße entsprechend)
- 11x Frühstück
- 11x Abendessen
- 11x Hotelübernachtungen (3-4*) im DZ mit DU/WC
- Deutschsprachiger Reiseleiter während der gesamten Reise
- Abwicklung der Ein- und Ausreiseformalitäten am Flughafen
Nicht im Reisepreis enthalten:
- Mittagessen
- Trinkgelder für Reiseleiter & Fahrer
- persönliche Ausgaben
- Eintrittsgelder
Reisepreis:
Preis pro Person im Doppelzimmer € 2080,00
Einzelzimmerzuschlag € 240,00
Preise gelten vorbehaltlich Verfügbarkeit!
Reisezeit:
10. bis 21. September 2012
Min. Teilnehmerzahl: 10
Max. Teilnehmerzahl: 15
Generelle Hinweise
Als Tourist kann man sich bis zu 90 Tagen visumfrei im Land aufhalten. Von Deutschland ausgestellte Reisedokumente oder Reiseausweise für Ausländer anderer Nationalitäten werden von der Türkei anerkannt. Für die Einreise in die Türkei wird jedoch ausnahmslos ein Visum benötigt, das vorab bei einem türkischen Generalkonsulat einzuholen ist. Deutsche Staatsangehörige benötigen zur Einreise in die Türkei lediglich einen
gültigen Reisepass oder Personalausweis. Von einer Einreise mit einem vorläufigen oder einem abgelaufenen Personalausweis wird abgeraten, da die Einreise mit diesem Dokument in der Vergangenheit mehrfach verweigert wurde. Gäste, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben, sprechen bitte den Reiseveranstalter bezüglich der, für sie geltenden, Einreisebestimmungen an. Weitere wichtige Hinweise finden Sie in unseren
AGB´s.




